Reboarder – rückwärts gerichtete Kindersitze

Sie suchen einen neuen Kindersitz und sind dabei auf den merkwürdigen Ausdruck „Reboarder“ gestoßen? Und jetzt fragen Sie sich, was sich hinter einem „Reboarder“ verbirgt und ob Sie diesen Trend mitmachen müssen?

Reboarder sind spezielle Kindersitze und unser Steckenpferd. Genauer: unsere Herzensangelegenheit. Denn Reboarder sind besonders sicher. Wir erklären, was ein Reboarder ist, wie er sich von vorwärts gerichteten Kindersitzen unterscheidet und bringen Licht in den Dschungel der Modelle und Möglichkeiten.

Short-Links zu den einzelnen Elementen der Reboarder-Seite

>  Was bedeutet der Begriff Reboarder?

>  Wo liegen Modell-Unterschiede?

>  Sind drehbare Modelle empfehlenswert?

>  Wie werden Reboarder richtig eingebaut?

Was ist ein Reboarder?

Ein Reboarder ist ein Autokindersitz, der im Fahrzeug entgegen der Fahrtrichtung angebracht wird. Das bedeutet: in einem Reboarder fährt das Kind rückwärts. In diesem Sinne gehören Babyschalen zu den Reboardern. Im engeren Sinne versteht man unter einem Reboarder einen rückwärts gerichteten Folgesitz für das Kleinkinderalter, also nach der Babyschale. Entsprechend gibt es auf dem Markt Reboarder, die ab Geburt genutzt werden können, und solche, die sich an die Babyschale anschließen.

Wie unterscheiden sich Reboarder von vorwärts gerichteten Sitzen?

Der grundlegende Unterschied zwischen Reboardern und dem „klassischen“ Kindersitz ist die Sitzrichtung des Kindes. Wie in der Babyschale sitzt das Kind im Reboarder „verkehrt herum“ und fährt rückwärts. Dadurch sind Reboarder fünfmal sicherer als vorwärts gerichtete Sitze. Auch der Einbau erfolgt anders und ähnelt eher dem einer Babyschale.

Für welche Altersgruppen, Größen und Gewichtsklassen gibt es Reboarder?

Rückwärtsfahren ist erwiesenermaßen die sicherste Fahrposition für Babys und Kleinkinder. Damit die kleinen Zwerge auch nach der Babyschale noch bestmöglich geschützt unterwegs sind, ermöglichen die meisten Reboarder ein verlängertes Rückwärtsfahren bis etwa zum 4. Geburtstag. Je nach ECE-Prüfnorm sind Reboarder nach Körpergewicht oder nach Körpergröße des Kindes eingeteilt:

Reboarder mit der Prüfnorm ECE R 44/04 sind ab Geburt oder 9 kg Körpergewicht Genutzt werden können sie bis zu einem Körpergewicht von 18 kg. Einige Sitze sind sogar bis 25 kg zugelassen und eignen sich damit bis zum Beginn des Grundschulalters.
Bei Reboardern mit der Prüfnorm ECE R 129 („i-Size“) richtet sich die Nutzungsdauer nach der Körpergröße des Kindes und ist nicht einheitlich geregelt. Einige Sitze sind bereits ab 40 cm zugelassen, andere ab 61, 65 oder 67 cm. Als maximale Größe hat sich fast durchgängig eine Körpergröße von 105 cm etabliert.

Reboarder sind sicherer!

Reboarder sind rückwärts gerichtet, denn Rückwärtsfahren an sich ist für Kinder sicherer. Im Falle eines Unfalls oder eines heftigen Bremsmanövers wird die empfindliche Halswirbelsäule des Kindes im Reboarder sehr viel weniger belastet als im klassischen Sitz. Im vorwärts gerichteten Sitz schnellt das Kind bei einem abrupten Abbremsen nach vorne und wird vom Gurtsystem zurückgerissen.

Sein Kopf dagegen wird nicht gehalten und nickt nach vorne ab.  Schon im Stadtverkehr kann diese ruckartige Vorwärtsbewegung zu Genickbruch und heftigen inneren Verletzungen führen. Im Reboarder dagegen werden Kopf und Körper in den Sitz gedrückt. Die Folge: die Sitzschale absorbiert die Energie, Wirbelsäule und Organe werden geschont. Reboarder bieten ihrem kleinen Insassen damit einen fünfmal besseren Schutz vor Verletzungen als ein vorwärts gerichteter Sitz. Einen ausführlichen Crashtest-Vergleich zwischen einem vorwärts und einem rückwärts gerichtetem Kindersitz gibt es in unserem Blog.

Wie unterscheiden sich die verschiedenen Reboarder-Modelle?

Während in Skandinavien seit langem die große Mehrheit der Kleinkinder rückwärts fährt, waren Reboarder in Deutschland bis vor wenigen Jahren noch weitgehend unbekannt. Entsprechend mager fiel auch das Angebot an Reboard-Kindersitzen hierzulande aus. Inzwischen gibt es aber auch in den deutschsprachigen Ländern ein breites Sortiment an rückwärts gerichteten Kindersitzen.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen liegen – abgesehen von der Gewichts- bzw. Größeneinteilung – in der Befestigungsmöglichkeit, den zugelassenen Fahrtrichtungen, der Passform sowie individuellen Komfortmerkmalen des Sitzes.

Befestigung

Wie bei vorwärts gerichteten Kindersitzen auch, gibt es bei Reboard-Kindersitzen Modelle mit ISOFIX-Befestigung und solche, die mit dem Dreipunktgurt des Autos befestigt werden.

Bei den Reboardern mit ISOFIX gibt es wiederum zwei Varianten. Zum einen können Sie Sitze kaufen, die direkt an den ISOFIX-Ösen des Fahrzeuges befestigt werden. Zum anderen existieren Sitze, die – wie eine Babyschale – auf eine im Auto befestigte ISOFIX-Basisstation geklickt werden. Einige Sitze bieten sogar volle Flexibilität und lassen sich sowohl per ISOFIX als auch mit dem Autogurt einbauen. Auch i-Size-Reboarder sind mittlerweile erhältlich.

Einbaurichtung

Reboarder sind, wie der Name schon sagt, rückwärts gerichtete Kindersitze. Da viele Eltern in Deutschland dem verlängerten Rückwärtsfahren jedoch (noch) skeptisch gegenüberstehen, haben einige Hersteller Modelle auf den Markt gebracht, die rückwärts und vorwärts genutzt werden können. Sobald das Kind die gesetzlich vorgeschriebenen Bedingungen für das Vorwärtsfahren erfüllt (d.h. je nach Zulassungsnorm 9 kg schwer bzw. 15 Monate alt ist), dürfen diese Sitze in Fahrtrichtung gedreht werden. Das Kind kann ab diesem Zeitpunkt also ganz nach Belieben vorwärts oder rückwärts fahren. Klingt nach einem optimalen Kompromiss? Wir werden gleich erläutern, warum diese Möglichkeit für uns als Kindersitzprofis zwar ein Kompromiss ist, aber eben nicht optimal.

Passform & Komfort

Genau wie bei den vorwärts gerichteten Kindersitzen gibt es auch bei Reboardern breite Sitze, schmale Sitze sowie Sitze mit eher langer oder eher kurzer Rückenlehne. Damit jedes Kind nicht nur sicher, sondern auch bequem fahren kann.
Weitere Unterschiede im Komfort: Auch in Sachen Komfort unterscheiden sich Reboard-Kindersitze nicht groß von ihren klassischen Verwandten. Auch bei Reboardern gibt es Sitze, die sich während der Fahrt in Ruheposition stellen lassen, oder Sitze mit sich automatisch einstellender Kopfstütze. Für ein leichteres Ein- und Aussteigen haben manche Modelle sogar eine integrierte Drehfunktion. Damit geht das Anschnallen auch auf der Rückbank eines Dreitürers schnell und unkompliziert.

Reboarder ab Geburt – kann ich mir die Babyschale sparen?

 Es gibt Reboarder, die laut Prüfetikett von 0 bis 18 kg zugelassen sind. Theoretisch darf ein Neugeborenes darin transportiert werden. In der Praxis sind diese Kindersitze für Säuglinge aber oft nicht geeignet. In den meisten gruppenübergreifenden Sitzen ist die Sitzposition für den zarten Babyrücken zu aufrecht, auch in der sogenannten „Liegeposition“. Das belastet die empfindliche Wirbelsäule. Teilweise verläuft auch der Gurt bei den ganz Kleinen nicht optimal oder der Sitz ist selbst mit Sitzverkleinerer einfach zu groß. Wir empfehlen Ihnen daher grundsätzlich, Ihr Baby im Auto in den ersten Monaten in einer Babyschale zu transportieren. Das ist zudem komfortabler: im Gegensatz zu Babyschalen können Reboarder nicht einfach mit dem (schlafenden) Baby aus dem Auto herausgenommen und auf das Kinderwagengestell montiert oder das Baby darin getragen werden. Aber Achtung: Es ist auch hier nicht alles Gold was glänzt. Das „Draufklicken auf den Kinderwagen“ bei Babyschalen ist zumeist nicht für längere Zeit zu empfehlen, da die Sauerstoff-Sättigung nicht perfekt gewährleistet wird. Ausnahmen sind die Babschalen mit Liegefunktion!

Dennoch bieten diese ab Geburt zugelassenen Sitze einen wesentlichen Vorteil: auch leichte Kinder, die aus der Babyschale herauswachsen, bevor sie die Grenze von 9 kg erreicht haben, können in diese Sitze wechseln. Ob der Sitz passt, sollten Sie allerdings vor dem Wechsel unbedingt bei einem Probeeinbau mit Probesitzen Ihres Zwerges überprüfen.

Was ist mit drehbaren Kindersitzen, die in beide Richtungen genutzt werden können – wie empfehlenswert sind die?

Einige Hersteller haben Kindersitze auf den Markt gebracht, die sowohl vorwärts als auch rückwärts eingebaut werden können. In diesen Sitzen muss das Kind rückwärts fahren, bis es die gesetzlich vorgeschriebene Grenze von 9 kg bzw. 15 Monaten erreicht hat. Anschließend darf der Sitz in beide Richtungen genutzt werden: das Kind kann darin vorwärts oder rückwärts fahren, ganz nach Belieben. Diese drehbaren Sitze bieten volle Flexibilität für Eltern, die ihr Kind länger rückwärts fahren lassen wollen, aber unsicher sind, ob das Kind dies dauerhaft toleriert. Mit einem drehbaren Reboarder können Eltern gelassen die Reaktion des Kindes auf das Rückwärtsfahren abwarten und gegebenenfalls jederzeit die Richtung wechseln, ohne einen neuen Sitz zu kaufen.

Wir raten dennoch, den Sicherheitsvorteil des Rückwärtsfahrens auszuschöpfen und das Kind bis zum Ende der zugelassenen Nutzungsdauer rückwärts zu transportieren. Erfahrungsgemäß verweigern Kinder nicht irgendwann das Rückwärtsfahren, sondern beginnen aus anderen Gründen zu protestieren: entweder ist der Sitz zu klein, der unflexible Fünfpunktgurt zu beengend oder Autofahren einfach zu langweilig. Diese Probleme stellen sich dann aber vorwärts wie rückwärts, denn der gleiche Sitz passt dem Kind vorwärts gerichtet nicht länger als rückwärts.

Ein Wort zu „Pseudo-Reboardern“

Wichtig ist, drehbare Reboarder nicht mit sogenannten „Pseudo-Reboardern“ zu verwechseln. Auch Pseudo-Reboarder sind für Kinder von 0 bis 18 oder 25 kg zugelassen. Und auch Pseudo-Reboarder versprechen eine Nutzung in beide Fahrtrichtungen. Aber Achtung: während drehbare Reboarder für die gesamte Nutzungszeit rückwärts genutzt werden können, müssen Pseudo-Reboarder ab einem Körpergewicht von 9 oder 13 kg zwingend in Fahrtrichtung gedreht werden! Daher die Bezeichnung „Pseudo-Reboarder“: diese Sitze sind nur als Babyschale rückwärts gerichtet nutzbar. Danach muss das Kind ausnahmslos vorwärts fahren, eine Wahlmöglichkeit für Eltern gibt es also nicht. Alle bei uns erhältlichen Reboarder sind „echte“ Reboarder, „Pseudo-Reboarder“ bieten wir bei den Kindersitzprofis aus Überzeugung nicht an.

Wie werden Reboarder ins Auto eingebaut?

Im Prinzip funktionieren Reboarder wie Babyschalen: sie werden mit der Rückenlehne nach vorne eingebaut. Reboarder-Kindersitze gibt es mit oder ohne ISOFIX-Befestigung, manche Modelle können sogar auf beide Arten montiert werden. Die meisten Reboarder haben die ISOFIX-Befestigung im Sitz integriert. Bei einigen Modellen erfolgt die Installation mit ISOFIX – wie bei Babyschalen – über eine zugehörige Basisstation. Wenn der Reboarder keine ISOFIX-Befestigung hat, wird er mit dem Dreipunktgurt des Fahrzeuges installiert. Anders als bei Babyschalen wird der Gurt jedoch nicht über den Sitz geführt, so dass er das Hineinsetzen und Herausheben des Kindes nicht behindert. Wie bei anderen Kindersitzen auch, sollten Sie sich vor dem Kauf mit einem Blick in die Fahrzeugtypenliste des Kindersitzes vergewissern, ob der Reboarder für den Einbau auf dem vorgesehenen Fahrzeugsitz zugelassen ist.

Weil sich der Schwerpunkt von rückwärts gerichteten Sitzen über dem Fußraum des Fahrzeuges befindet, sind Reboarder bzw. deren Basisstation immer mit einem zusätzlichen Stützfuß ausgestattet. Dieser wird in den Fußraum des Fahrzeuges gestellt und verhindert ein Kippen des Sitzes in Richtung Fahrzeugboden. Sollte Ihr Fahrzeug Staufächer im Fahrzeugboden haben, müssen Sie aufpassen: der Stützfuß eines Reboarders darf niemals auf einem ungefüllten Staufach installiert werden! In vielen Fahrzeugen können Sie das Staufach aber vom Hersteller füllen lassen oder den Stützfuß im Staufach platzieren. Damit sie absolut kippsicher sind, werden manche Reboarder zusätzlich zum Stützfuß auch noch mit Spanngurten („Low Tether“) stabilisiert.

Welche Einbaumöglichkeiten für Reboarder gibt es derzeit auf dem Markt?

  • Reboarder mit Gurtbefestigung
  • Reboarder mit ISOFIX
  • Reboarder mit ISOFIX und Gurtbefestigung
  • Reboarder mit i-Size
  • Es gibt keine Reboarder mit i-Size und Gurtbefestigung. Die i-Size-Norm schreibt den ausschließlichen Einbau mit ISOFIX vor. Allerdings gibt es Reboarder mit ISOFIX und Gurtbefestigung, die zwar kein i-Size-Label tragen, aber nach der neuesten Prüfnorm R 129 zugelassen sind, die auch der i-Size-Norm zugrunde liegt.

Beim Einbau auf dem Beifahrersitz:
AIRBAG ABSCHALTEN

Grundsätzlich dürfen Reboarder auch auf dem Beifahrersitz montiert werden. Ganz wichtig ist jedoch, dass Sie den Front-Airbag des Beifahrersitzes vorher abschalten. Ein Auslösen des Airbags wäre für das Kind im Reboarder lebensgefährlich!

Außerdem sollten Sie sich immer mit einem Blick ins Handbuch des Fahrzeuges sowie in die Typenlisten des Kindersitzes vergewissern, dass der Einbau auf diesem Sitz in Ihrem konkreten Fall von beiden Herstellern zugelassen ist.

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Reboarder – Beratung und Service bei den Kindersitzprofis

Sie haben noch Fragen zu Reboard-Kindersitzen? Oder Sie möchten sich die verschiedenen Modelle einmal genauer ansehen, testweise in Ihr Auto einbauen und den Nachwuchs Probesitzen lassen? Überhaupt kein Problem, dafür gibt es uns Kindersitzprofis!

Besuchen Sie einen unserer zahlreichen lokalen Partner-Händler und lassen Sie sich mit Kind und Auto vor Ort beraten. Wir zeigen Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten und Modelle, erklären den Einbau in Ihrem Fahrzeug und haben auch in komplizierten Fällen noch ein paar Kniffe auf Lager. Gemeinsam mit Ihnen finden wir den Reboarder, der optimal zu Ihrem Kind, Ihrem Auto und Ihrer Familie passt!

Und wenn Sie keinen unserer Händler in Ihrer Nähe haben, helfen wir Ihnen auch gerne am Telefon oder per Email weiter. Viele Reboarder mit guten Testergebnissen finden Sie auch in unserem Onlineshop. Denn wir möchten, dass jedes Kind so sicher wie möglich im Auto unterwegs ist!