Der Herbst färbt die Blätter, die Straßen werden feuchter und glatter. Zeit für den Herbsttest für Kindersitze. Der ADAC hat seinen Herbst-Kindersitztest 2019 vorgestellt. In Zusammenarbeit haben ADAC, ÖAMTC, TCS und Stiftung Warentest 6 Babyschalen mit Isofix, 6 ohne Isofix und 8 Kindersitze auf Herz und Nieren gestestet.

Die beste Nachricht vorab, keines der getesteten Modelle ist beim Frontalcrash durchgefallen. Absoluter Höhepunkt im besten Sinne bei den Kindersitzen in dieser Rubrik ist der Besafe iZi Kid X3 i-Size. Sowohl im Front- als auch beim Seitenaufpralltest gab es die Note „sehr gut“ – die beste Benotung seit gut 5 Jahren.

Deutlich mehr Probleme scheinen die Hersteller beim Thema Schadstoffbelastung zu haben. Gerade bei den Babyschalen sind hier die Modelle von Hauck und Uppababy komplett durchgefallen. Beim Hauck iPro Baby war das schädliche Naphtalin in überhöhter Menge nachweisbar. Die Uppababy Mesa Babyschale überschritt die Grenze für das gesundheitsschädigende Flammschutzmittel TCPP. So fielen beide Babyschalen durch die Bewertung und landeten mit 4,8 und 5,5 Punkten im Bereich „Mangelhaft“.

ADAC Kindersitztest Herbst 2019 - die Trends bei den Babyschalen

Der Test für die Babyschalen ist deutlich überschaubarer in diesem Herbst. Insgesamt wurden sechs Sitze ohne Isofix (Base) getestet, und sechs mit. Sieger dabei ist der „Albert“ der Newcomer Swandoo. Enttäuschend dagegen die Urteile zum Hauck und Uppababy – beide Sitze sind mit „mangelhaft“ bewertet worden.

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adac-kindersitz-test-2019-herbst-babyschale-mit-isofixDiese Babyschalen sind nach UN ECE Reg. 129 („i-Size“) zugelassen, weswegen die Größe Ihres Kindes bei der Sitzauswahl entscheidend ist und nicht, wie bei nach ECE 44/04 zugelassenen Kindersitzen, das Gewicht des Kindes.

Testsieger Swandoo Albert

adac-herbsttest-kindersitze-babyschalen-2019-swandoo-albrecht-mit-isofix-baseadac-herbsttest-kindersitze-babyschalen-2019-swandoo-albrecht-ohne-isofix-baseKnapp an einem „sehr gut“ vorbeigeschrammt ist die Babyschale Albert vom Newcomer Swandoo.

Das weltweit tätige Unternehmen hat seinen europäischen Sitz in München und Wien. Swandoo achtet bei seinem Produkt besonders auf die Verarbeitung und die Sicherheit – in beiden Kategorien hat die Babyschale Albert hervorragend abgeschnitten.

Neben dem interessanten und frischen Design, für das der Hersteller 2017 den Reddot Award und 2019 den deutschen Designpreis gewonnen hat, wurde auch in puncto Schadstofffreiheit herausragend gepunktet.

Der Swandoo Albert, übrigens benannt nach Albert Einstein,  hat in diesem Test mit den Testnoten von 1,7 ohne Isofix-Base und 1,6 mit Isofix-Base jeweils den Sieger gestellt. Der Preis beträgt zwischen 250 Euro für die einfache Babyschale bis hin zu 450 Euro mit Isofix-Basis. Derzeit gibt es noch keinen weiterführenden Sitz der Marke, Swandoo will aber in naher Zukunft eine drehbaren Reboarder mit Namen Marie (nach der Physiknobelpreisträgerin Marie Curie) auf den Markt bringen.

Eckdaten der Swandoo Albert

  • Einbaurichtung: rückwärts
  • Eigengewicht: 5,1 kg (Basis 5,4 kg)
  • Befestigung: Isofix oder Gurt
  • Besonderheit: Modernes zweifarbiges Sitzdesign
  • Nutzungsgrenze: 40cm bis 85cm Körperlänge

Jané Koos i-Size R1

kindersitzprofis-adac-Kindersitztest-Herbst-2019-babyschale-jane-koos-i-size-R1-isofixEine wirklich positive Entwicklung scheint die Marke Jané zu nehmen. Noch im Test 2017 wurde ein Kindersitz der Marke mit mangelhaft bewertet. Die Babyschale Koos i-Size R1 hat sich nun hervorragend geschlagen. Gerade im Bereich der Babyschalen mit Isofix-Basis erreichte dieser Sitz eine 1,9 und damit eine der Top-Bewertungen.

In allen Sicherheitstests waren die Werte gut bis sehr gut, insbesondere aber bei den Schadstoffen zog sich die in Spanien ansässige Marke hervorragend aus der Affäre.  Die Babyschale ist leicht und sehr schnell montierbar. Gerade mit einem Preis von unter 400 Euro ist der Jané Koos i-Size R1 eine sehr interessante Alternative.

Eckdaten des Jané Koos i-Size R1

  • Einbaurichtung: rückwärts
  • Eigengewicht: 4,0kg (Basis: 7,1 kg)
  • Befestigung: Isofix über die Basis oder Gurt
  • Besonderheit: Variable Einlage-Kissen
  • Nutzungsgrenze: 40cm bis 83cm Körperlänge

Die Durchfaller beim ADAC-Herbsttest 2019

UPPAbaby Mesa i-Size

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07.November 2019 – Nachprüfung: Die Ergebnisse des Tests (veröffentlich am 22.10.2019) werden derzeit (nach) überprüft. In einer Pressemitteilung vom ÖAMTC heißt es: „Die Testergebnisse des Uppababy Mesa i-Size und des Uppababy Mesa i-Size mit Isofixbasis werden bis auf Weiteres zurückgezogen. Grund für diese Maßnahme ist eine Nachprüfung der Schadstoffbelastung im Bezug dieses Kindersitzes. Bei Vorliegen der verifizierten Labordaten werden die Ergebnisse aktualisiert und bereitgestellt.“

Der Uppababy Mesa i-Size hat sich gut geschlagen im Bereich Sicherheit – überall gab es ein „gut“, beim Frontaufprallschutz sogar ein „sehr gut“. Der Sitz ist leicht zu bedienen und benötigt ohne die Isofix-Basis sehr wenig Platz. Damit sieht der Mesa i-Size nach einem der Gewinner im Test aus – WENN da nicht die Schadstoffbilanz wäre.

Im Test wurde im Bezugsstoff des Kindersitzes von Uppababy das Flammenschutzmittel TCPP nachgewiesen. Für Spielzeuge gibt es dafür einen Grenzwert. Dieser wurde bei der Prüfung merklich überschritten. TCPP kann bei Kindern schnell Augen- und Hautreizungen hervorrufen und die Schleimhäute angreifen. Hinzu kommt, dass TCPP unter dem Verdacht steht, die Nerven zu schädigen.

ÖAMTC-Experte Steffan Kerbl erklärt auf der Webseite des mittestenden österreichischen Automobilclubs, dass nur auf die Sicherheit zu achten, zu kurz gedacht sei. Die gefundenen Schadstoffe sind nicht nur per se schädlich, sondern könnten auch mit Stoffen reagieren, die ein Kind anderweitig aufnimmt. Uppababy wird hier schnell Nachbesserungen anstreben, da der Mesa zu den Verkaufsschlagern bei den Schweizern gehört.

Hauck iPro Baby

hauck-ipro-babyhauck-ipro-baby-isofixSchadstoffbelastung ist leider auch das Hauptthema beim Hauck iPro Baby – hier wurde im Bezugstoff der gesundheitskritische Stoff Naphthalin nachgewiesen. Das Vorhandensein führte zum „Durchfallen“ der Babyschale im Test.

Naphthalin ist eine hochproblematische Chemikalie – die zu Dermatitis und Lähmungen bei Hautkontakt führen kann. Bei Einnahme, was beim „Ablecken“ durch die Babys durchaus denkbar ist, sind Magen-Darm-Problemen und Leber- bzw. Nierenschäden im Bereich des Möglichen. Zudem steht Naphtahalin im Verdacht, krebserregend zu wirken. Die Oberfranken werden hier (hoffentlich) schnell nachbessern.

Leider ist das nicht der einzige Schwachpunkt beim Hauck iPro Baby – im Gesamten hat die Babyschale wahrscheinlich den schlechtesten Test hingelegt. Beim Frontalcrash ist eine der Haltestangen, die die Babyschale mit der Isofix-Basis verbindet, herausgebrochen. Die Belastungen für den Dummy waren so hoch, dass es für die Isofix-Basis-Babyschalen-Verbindung nur ein „ausreichend“ gab.

Trends bei den Kombinationen Babyschale und/oder Kindersitzen

Neben den Babyschalen testete der ADAC einige Reboarder bzw. drehbare Kindersitz-Babyschalen-Kombinationen. Die Noten waren gut – hervorzuheben ist hier der Besafe iZi Kid X3 i-Size. Der ADAC hat bei diesem Kindersitz die besten Crashtestwerte seit 2015 gemessen!

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Deutlich schlechter, schon bedingt durch seine lange Nutzungsdauer und die damit verbundenen Probleme, war das Testurteil für den Joie Verso. Während der Sitz bei einer rückwärts gerichteten Nutzung noch einen Wert von 2,6 erhält, sinkt das Ergebnis auf die Note 3, wenn der Sitz vorwärts gerichtet wird. Der Seitenaufprall liegt bei 2,3 – damit liegt die Benotung nicht mehr bei „gut“, der Verso kann aber eine Lösung bei bestimmten Fahrzeugen sein, in die ansonsten kaum ein Sitz passt.

Besafe iZi Kid X3 i-Size

Besafe arbeitet schon seit Langem qualitativ hochwertig und spielt immer in der oberen Liga bei den Testergebnissen vom ADAC mit. Der iZi Kid X3 i-Size ist nun eines der Topmodelle.

In puncto Sicherheit bei Front- und Seitenaufprallschutz hat der iZi Kid X3 i-Size herausragende Werte eingefahren. Laut ADAC-Tester sind das sogar die besten Bewertungen seit rund 5 Jahren in dieser Klasse. Die Firma aus Skandinavien, genauer aus Norwegen, hat sich auch viele Gedanken um das Thema der Verhinderung vom fehlerhaften Einbau und der optimalen Gurtführung gemacht.

Kleines Manko – sein Gewicht ist schon eine Ansage. Mit 14,5 Kilogramm muss die Fahrerin oder der Fahrer ganz schön was heben, wenn ein „Autoumbau“ ansteht. Davon abgesehen gibt es nur ein paar kleine Einschränkungen bei der Einfachheit des Anschnallens – es hakelt schlicht hin und wieder. Aber mit der Übung kommt hier auch die Geschwindigkeit.

„Der Besafe iZi Kid X3 i-Size funktioniert gut, da er sehr stabil ist und für einen Reboarder gerade im Seitenschutz eine besonders gute Figur macht.“
ADAC-Prüfer Herr Ratzek

Eckdaten vom Besafe iZi Kid X3 i-Size

  • Einbaurichtung: rückwärts
  • Eigengewicht: 14,5 kg
  • Befestigung: Isofix
  • Besonderheit: Bester Crashtestwert seit 5 Jahren
  • Nutzungsgrenze: 61 bis 105 cm Körpergröße

Joie i-Spin 360

joie i-spin 360Das klasse Testergebnis für den Joie i-Spin 360 kommt nicht von irgendwoher. Der Kindersitz hat den Reddot Design Award 2019 eingesammelt. Rückwärts kann der Sitz über die gesamte Zeit genutzt werden, ab einer Körpergröße von 76cm dürfte das Kind theoretisch vorwärts gerichtet fahren.

Die Crashtest-Daten sind gut – das Verhalten beim Seitenaufprall sogar vorbildlich. Solange das Kind rückwärts gerichtet befördert wird, ist die Verletzungsgefahr beim Unfall geringer als vorwärts. Das liegt naturgemäß daran, dass eben diese Frontalbeschleunigungen bei einem Reboarder durch des gesamte Rückgrat und den anliegenden Sitz bestens abgefedert werden.

Verarbeitung und Schadstoffbelastung beim i-Spin 360 sind herausragend.  Für 350 Euro gibt es im Gesamten einen guten Sitz – den Joie i-Spin 360.

„Der Joie i-Spin 360 hat einen Seitencrashwert von 0,7 und erreicht damit den gleichen Spitzenwert wie der Besafe iZi Kid X3 i-Size.“
ADAC-Prüfer Herr Ratzek

Eckdaten vom Joie i-Spin 360

  • Einbaurichtung: vor- & rückwärts
  • Eigengewicht: 13,9 kg
  • Befestigung: Isofix
  • Besonderheit: Sechs verschiedene Ruhepositionen
  • Nutzungsgrenze: 40 bis 105cm Körpergröße

Kindersitze für ein Körpergewicht bis 36 Kilogramm

Vier Sitze sind für die höheren Gewichtsklassen getestet worden. Mit hervorragenden Benotungen sticht dabei der Renolux Renofix heraus.

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Überraschend schlecht schneidet der Britax Römer Kidfix2 S ab. Die Variante Kidfix III M hatte noch ein prima Ergebnis erzielt bei den letzten Tests. Hauptgrund für die deutlich ernüchternden Ergebnisse ist schlicht die Bauweise des Kidfix2 S. Ab 22 Kilogramm Körpergewicht kann die Rückenlehne weggelassen werden. Dadurch ist ein Seitenaufprallschutz naturgemäß nicht mehr vorhanden, ein schlechtes Testergebnis also die logische Folge.

Weitere Informationen zum Kindersitztest vom Herbst 2019 erwarten Sie hier:

Hier finden Sie unsere Analysen zu den Kindersitztests der Vorjahre: